Zum Start unserer Green Week möchten wir dir die Grundlagen rund um das Thema „nachhaltig investieren“ erläutern. Was bedeutet nachhaltig investieren? Woran erkenne ich nachhaltige Investments? Wie kann ich selbst nachhaltig investieren? Und kann man Nachhaltigkeit eigentlich messen?

Was bedeutet nachhaltig investieren?

Dazu solltest du dir zuerst überlegen, was Nachhaltigkeit eigentlich bedeutet.

Was heißt Nachhaltigkeit?

Betrachtet man die Definition von nachhaltig, so ist es mit dauerhaft, langlebig, umweltverträglich oder auch vernünftig zu umschreiben. Wenn es um nachhaltiges investieren geht, ist gerade auch die Umweltverträglichkeit entscheidend.

Wichtig zu wissen ist, dass „nachhaltig“ an sich kein geschützter Begriff ist. Das heißt, es gibt auch keine Maßstäbe oder Vergleichskriterien.

Was bedeutet nachhaltig investieren?

Nachhaltig investieren bedeutet Geld so anzulegen, dass heutige Herausforderungen bewältigt werden können. Aber ohne, dass dabei Ressourcen für die Zukunft gefährdet werden. Also zum Beispiel in Unternehmen zu investieren, die neue Technologien entwickeln für zum Beispiel die Energiegewinnung. Denn wir alle wissen Kohlekraftwerke sind nicht nachhaltig, wir benötigen sie aber noch für die Stromerzeugung. Also braucht es neue Technologien, die nachhaltige Stromerzeugung möglich machen.

Weil aber „Nachhaltigkeit“ nicht geschützt ist, ist es schwierig pauschal zu sagen, ob ein Unternehmen oder ein Aktienfond wirklich „nachhaltig“ ist. Deswegen wurden Kennzahlen eingeführt, die die Nachhaltigkeit eines Unternehmens bewerten.

ESG und vieles mehr – wie erkenne ich nachhaltige Investments?

Wir haben für dich zwei zentrale Kennzahlen rausgesucht, die du kennen solltest, wenn du nachhaltig investieren willst. Beide Kennzahlen haben Vor- und Nachteile. Was du im Umgang damit wissen solltest, liest du jetzt!

Nachhaltige investieren - ESG
Environment
Social
Governance

Was bedeutet ESG?

ESG bedeutet Environment, Social & Governance (Umwelt, Soziales & Unternehmensführung). Diese drei Bereiche werden bei dieser Kennzahl betrachtet, um zu entscheiden wie nachhaltig ein Investment ist. In dieser Bewertung werden hauptsächlich nicht-finanzielle Informationen berücksichtigt. Das ist auch gleichzeitig ein Nachteil der Kennzahl, da für nachhaltige Investments auch finanzielle Informationen notwendig sind. Die nicht-finanziellen Informationen werden in drei Bereiche eingeteilt und spiegeln sich in der Berechnung des ESG-Ratings wider. 

  1. Der erste Bereich bezieht sich auf den Umgang eines Unternehmens mit der Umwelt. Hierbei werden beispielsweise CO2-Emissionen oder Energieeffizienz-Themen mit einbezogen. 
  2. Der soziale Aspekt betrachtet die Sozialkriterien, die ein Unternehmen erfüllt. Das sind zum Beispiel Arbeitssicherheit, Anti-Diskriminierungsregeln oder faire und gute Bedingungen am Arbeitsplatz.
  3. Der letzte Bereich „Governance“ prüft die Unternehmensführung auf Nachhaltigkeit. Hier werden die Kontrollprozesse im Unternehmen bewertet, sowie die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats (Gewaltenteilung).

Ein ESG-Rating kann durch verschiedene Anbieter erfolgen. Das Problem dabei ist, dass die Ergebnisse von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich sein können. Für dich als Investor bedeutet das, dass du die verschiedenen Ratings von unterschiedlichen Anbietern vergleichen musst. So bekommst du ein umfassenderes Bild vom bewerteten Unternehmen. Wichtig ist hier, dich nicht auf nur eine Bewertung zu verlassen.

Nachhaltig investieren - ESG-Bewertung ausgewählter Unternehmen

Doch warum entstehen unterschiedliche Bewertungen mit ein und derselben Methode? Die verschiedenen Ratings sind auf die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Bereiche zurückzuführen.

Ein kleines Beispiel

Zu bewertendes Unternehmen: legt Wert auf die Umwelt und verbaut sehr gute CO2-Filter. Es spart aber bei der Sicherheitskleidung für die Mitarbeiter.

Anbieter 1 gewichtet den Bereich Umwelt mehr, als die sozialen Aspekte.

Anbieter 2 gewichtet die sozialen Aspekte mehr, als den Bereich Umwelt.

Bei Anbieter 1 bekäme das zu bewertende Unternehmen aus dem Beispiel ein gutes ESG-Rating. Warum? Weil Anbieter 1 den Bereich Umwelt hoch gewichtet und das Unternehmen ja in diesem Bereich gut aufgestellt ist (CO2-Filter). Die mangelnde Sicherheitskleidung fällt hier nicht stark ins Gewicht, da dieser Bereich bei Anbieter 1 weniger Gewicht hat.

Bei Anbieter 2 passiert genau das Gegenteil. Hier fällt die mangelnde Sicherheitskleidung mehr ins Gewicht, als das Verbauen der sehr guten CO2-Filter. Das heißt, bei Anbieter 2 bekommt das Unternehmen ein schlechtes ESG-Rating.

Genauso geht das natürlich auch mit dem Bereich Governance. Ein bekannter Getränkehersteller, der immer wieder in den Schlagzeilen ist, hat eine gute ESG-Bewertung. Und das obwohl er

nicht nachhaltig im Sinne der Umwelt handelt.

Warum? Das Unternehmen hat eine sehr gute Unternehmensführung (Governance) und kümmert sich sehr um seine Mitarbeiter (soziale Aspekte). Das heißt bei allen Anbietern, die die sozialen Aspekte oder/und Governance stark gewichten bekommt das Unternehmen eine gute ESG-Bewertung. Bei Anbietern, die den Aspekt „Umwelt“ mehr gewichten, bekommt das Unternehmen eine schlechte ESG-Bewertung.

Reicht die ESG-Bewertung, um nachhaltig investieren zu können?

Eine gute ESG-Bewertung heißt also nicht automatisch, dass ein Unternehmen nachhaltig handelt. Als erste Information ist die ESG-Kennzahl mit Sicherheit ein guter Richtwert. Doch um wirklich sicherzugehen, dass es sich um ein nachhaltiges Investment handelt, solltest du weitere Kennzahlen hinzuziehen.

Nachhaltig investieren - Was bedeutet SRI? 
Social 
Responsible 
Investments

Was bedeutet SRI?

Neben dem ESG-Rating kannst du als zweite Kennzahl den SRI betrachten. SRI bedeutet Social, Responsible Investments (=nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Investieren). Im Gegensatz zum ESG-Rating werden schon vor der Bewertung Unternehmen ausgeschlossen, die nicht bestimmten Kriterien entsprechen.

Beispiele für Ausschlusskriterien

Unternehmen in folgenden Bereichen werden von der Bewertung ausgeschlossen:

  • Atomkraft
  • Glücksspiel
  • Waffenindustrie
  • Kohle
  • Öl

Denn Unternehmen in diesen Bereichen sind definitiv nicht nachhaltig.

Wie funktioniert die SRI-Bewertung?

Nachdem die Auswahl nach den oben genannten Kriterien statt gefunden hat, wird ein ESG-Rating durchgeführt.

Alle Unternehmen die hier positiv bewertet werden, werden dann auf Basis aktueller Entwicklungen weiter aussortiert. Hier fallen zum Beispiel Rückrufaktionen wegen falscher Emissionswerte ins Gewicht.

Durch die Ausschlusskriterien vor der Bewertung und die Betrachtung aktueller Geschehnisse nach der ESG-Bewertung, werden hier deutlich weniger Unternehmen als „nachhaltig“ eingestuft.

Auch hier kann es aber zu unterschiedlichen Bewertungen kommen. Denn auch die SRI Bewertung wird von verschiedenen Anbietern vorgenommen, die andere Gewichtungen zum Beispiel im ESG-Rating haben.

Und wie weiß ich nun, ob mein Investment nachhaltig ist?

Zu allererst solltest du dir überlegen, was Nachhaltigkeit für dich heißt. Soll das Unternehmen besonders auf die Umwelt achten oder sind dir soziale Aspekte wichtiger? In welchen Bereichen darf das Unternehmen tätig sein? Das sind zwei Fragen, die dir dabei helfen können.

Danach bleibt dir nur noch gründlich zu recherchieren. Schau dir verschiedene ESG- und SRI-Bewertungen an. Überlege dir, warum eine Bewertung so zustande gekommen ist und prüfe, ob das zu deiner Vorstellung von Nachhaltigkeit passt.

Versuche aus verschiedenen Quellen möglichst viel über das Unternehmen zu erfahren in welches du investieren möchtest. Erst wenn du 100% überzeugt bist solltest du die Investition tätigen.

3 Möglichkeiten nachhaltig zu investieren

Hier haben wir noch drei Möglichkeiten für dich zusammengestellt, wie du nachhaltig investieren kannst.

  1. Fonds: hier solltest du vor deinem Investment prüfen, welche Unternehmen in dem jeweiligen Fond sind. Dann kannst du recherchieren, wie die Unternehmen bewertet sind. Anschließend kannst du prüfen, ob sie deinen Vorstellungen entsprechen. Passen die Unternehmen in deine Vorstellung von Nachhaltigkeit, kannst du in den Fond investieren.
  2. Direkte Investments: genauso kannst du dich auch zum Beispiel über neue Technologien informieren. Wenn du diese unterstützen möchtest kannst du auch direkt in diese Technologie investieren. Beispiele dafür sind Windparks, Solarenergie oder Wasserstoff. Aber auch hier ist wichtig: recherchiere, ob du voll und ganz hinter der Technologie stehst.
  3. Unternehmensanleihen: hier ist das Vorgehen ähnlich wie bei Fonds. Allerdings betrachtest du hier nicht alle Unternehmen eines Fonds, sondern nur ein spezielles Unternehmen. Das kann zum Beispiel ein Unternehmen sein, welches sich stark für die Umwelt einsetzt oder neue Technologien entwickelt.

Zusammengefasst: Es ist wichtig, dass du weißt, was Nachhaltigkeit für dich bedeutet. Dann kannst du gezielt recherchieren. Dabei ist wichtig, sich nicht nur auf eine Kennzahl festzulegen, sondern viele nebeneinander zu legen. Achte auch darauf, dir von möglichst vielen verschiedenen Anbietern die Bewertung eines Unternehmens anzusehen.

So kannst du nachhaltig investieren! Wie stehst du zum Thema nachhaltige Investments? Über Feedback würden wir uns sehr auf unserem Social Media Profil freuen.

Viel Erfolg und bis bald!

Dein Nico

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